Quellen

Sammlung Herwart und Münchener Hofbibliothek

Der Grundbestand der handschriftlichen Tabulaturen und Stimmbücher aus der Bayerischen Staatsbibliothek stammt aus der Bibliothek des Augsburger Ratsherrn Johann Heinrich Herwart (1520-1583). Nach dessen Tod kaufte Herzog Wilhelm V. (1548-1626) die hochkarätige Sammlung.
Unter den mehr als 2000 Bänden der Herwartschen Bibliothek wurde den Tabulaturen und Stimmbuchhandschriften in den Augen der Zeit zunächst kein großer Wert beigemessen. Der Katalog zur Übernahme der Musikalien gibt darüber auf seiner letzten Seite Auskunft:


Ein Pintl oder Fasciculus darinnen Lautter geschribne und zum Tayl getruckte Tabulaturen auf die Lutten, Lautter Kinderwerckh und nichts werth.
Item mehr ein fasciculus, darinnen von allerlay geschribne und zusamen gesamleten Gesang stuckh, welche auch nicht sonnders werth seindt.

Säkularisation und Gegenwart

Vom Beginn des 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert finden sich keine Neuzugänge von Tabulaturhandschriften oder Stimmbuchmanuskripten in den Katalogen. Erst im Zuge der Säkularisation erweiterte sich die Sammlung. Enthielten die Quellen der ältesten Schicht fast ausnahmslos weltliches Repertoire, kamen mit der Auflösung der Klosterbibliotheken in den Jahren 1802 und 1803 nun auch geistliche Kompositionen in den Bestand.

Bis in das 20. Jahrhundert wurden noch einzelne Handschriften angekauft, die die Sammlung zu ihrem heutigen Bild ergänzten. Die prominenteste Quelle ist dabei zweifelsohne das sogenannte »Buxheimer Orgelbuch«. Die Handschrift aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelangte 1883 aus dem Besitz der Kartause Buxheim in die Bayerische Staatsbibliothek.

Repertoire

Ein Großteil der Sammlung besteht aus weltlichen Kompositionen und Instrumentalstücken unterschiedlichen Charakters: Chansons, Madrigale und Lieder sind ebenso vertreten wie Tänze oder Instrumentalstücke für Lauten- und Tasteninstrumente. Geistliche Werke sind vor allem in Form von Motetten und Messteilen enthalten.

Quellenformen

Die Bestandsgruppe enthält eine Vielzahl von Notationsformen. Neben den rund 30 handschriftlichen Stimmbüchern umfasst der Bestand etwa 40 Tabulaturen. Das Spektrum reicht von französischen, italienischen und deutschen Lautentabulaturen bis hin zu Werken in Orgelpartitur oder deutscher und französischer Orgeltabulatur.

Es handelt sich sowohl um fragmentarische Einzelblätter als auch um kleinere und größere Manuskripte im Originaleinband bis hin zu in jüngerer Zeit zusammengebundene Sammelhandschriften. In den Manuskripten finden sich neben den Kompositionen auch vereinzelt theoretische Texte und Spielanweisungen überliefert.